Strategic Space Insights
Exploring dynamics in space and security
Deutsche Weltraumsicherheitsstrategie
Die neue deutsche Weltraumsicherheitsstrategie setzt erstmals auf eine schonungslose Klarheit und einen militärisch-strategischen Kurs: Deutschland baut eine wehrhafte, resiliente Weltrauminfrastruktur auf, übernimmt Führungsanspruch in Europa und unterlegt das mit über 35 Mrd. € bis 2030. Wir begleiten die Umsetzung mit einer fortlaufend aktualisierten
Spotlight
Russlands Startinfrastruktur
Eine sicherheitspolitische Einordnung nach Funktion, Autonomiegrad und Standortfaktoren
News
Die Raumfahrt befindet sich im tiefgreifenden Wandel. Entdecken Sie die wichtigsten Entwicklungen kompakt und verständlich – jeden Monat neu in unserem Newsletter.
2025 ESA Ministerratskonferenz
- Am 26.–27. November 2025 trafen sich die Raumfahrtminister der ESA-Mitgliedsstaaten in Bremen.
- Das Budget der ESA wurde auf 22,1 Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre festgelegt — rund 30 % mehr als zuvor.
- Sicherheitspolitisch vollzog die ESA einen Paradigmenwechsel
Stratégie nationale spatiale 2025–2040
Mehr Souveränität, mehr Sicherheit - Frankreich schärft seine Weltraumagenda.
Spotlight
Very Low Earth Orbit – VLEO
The challenge
Atmosphärischer Widerstand
Im VLEO sind Satelliten permanent dem Widerstand der sehr dünnen, aber nicht vernachlässigbaren Atmosphäre ausgesetzt, was zu deutlichem Bahnabfall führt und regelmäßige Antriebsimpulse zur Orbitstabilisierung erfordert.
Hochreaktiver atomarer Sauerstoff
Bei niedrigen Bahnen kommt es zu erhöhter Exposition gegenüber atomarem Sauerstoff (AO), der herkömmliche Materialien stark korrodieren kann. Dies beeinflusst die Lebensdauer von Strukturen und Oberflächen und führt zu schnellerer Mnaterialermüdung.
Kurzzeitige Kommunikationsfenster und Navigationsanforderungen
Aufgrund der geringen Höhe sind Sicht- und Kommunikationsfenster zu Bodenstationen kurz und erfordern sehr präzise Orbitalbestimmung und schnelle Positionskontrolle.
The chance
Höhere Leistung der Payload
Die Nähe zur Erdoberfläche ermöglicht Erdbeobachtungssystemen eine signifikant verbesserte räumliche Auflösung mit kleineren, leichteren Optiken als in höheren Orbits.
Reduziertes Kollisionsrisiko - Self Cleaning
Dank des atmosphärischen Widerstands zerfallen Objekte nach Missionsende relativ schnell in der Atmosphäre, was zur Einhaltung einer Zero Debris-Strategie beiträgt und das Risiko von Kollisionen reduziert.
Empfindliche Signal- und Sensorfähigkeiten:
Die geringere Distanz kann den Empfang schwacher elektromagnetischer Signale, z. B. von bodengestützten Sendern, verbessern, was für elektronische Aufklärung oder Radaranwendungen relevant ist. (Forschungsergebnisse bestätigen allgemein verbesserte Link- und Signal-Parameter im VLEO).
Höhere Manövrierfähigkeit
Satelliten in VLEO können ihre Bahnen schneller anpassen, was taktische Flexibilität, schnelle Reaktionszeiten und häufigere Überflüge über Interessengebiete ermöglicht – ein Vorteil für Multi-Domain Operations.
The Use Case
Redwire erhält 44 Mio. $ DARPA Auftrag
19.11.2025 - Redwire ist seit Jahren ein etablierter Akteur im Raumfahrtsektor und bislang vor allem als Anbieter von Technologien, Komponenten und digitalen Engineering-Lösungen positioniert. Erst ab 2024 vollzog das Unternehmen jedoch einen strategischen Kurswechsel, indem es begann, eigene Satellitenplattformen (Bus-Systeme) bereitzustellen und sich damit vom klassischen Zulieferer zu einem integrierten Systemanbieter weiterzuentwickeln. Ein zentraler Fokus dieser Neuausrichtung liegt auf der Erschließung des Very Low Earth Orbit (VLEO). Die hierfür notwendige Schlüsseltechnologie – von Struktur- und Materiallösungen über Avionik bis hin zu Sensorik – weist inzwischen überwiegend einen Technology Readiness Level (TRL) von 7 bis 9 (nach ISO SO 16290:2013 Space systems — Definition of the Technology Readiness Levels (TRLs) and their criteria of assessment). Die spezifischen Vorteile des VLEO – insbesondere deutlich höhere Bodenauflösung, geringere Latenzzeiten und verbesserte Detektion beweglicher Ziele – lassen sich absehbar in einen tragfähigen Business Case überführen. Der globale Markt für VLEO-Anwendungen wird für das Jahr 2024 mit rund 10 Mio. US-Dollar angegeben. Prognosen gehen davon aus, dass dieser bis 2034 auf etwa 1,5 Mrd. US-Dollar anwachsen könnte.
Die zentrale technische Herausforderung im VLEO bleibt der erhöhte atmosphärische Widerstand, der einen kontinuierlichen Bahnverlust verursacht. Zur Erprobung geeigneter Lösungen hat die DARPA unter dem Missionsnamen „Otter“ ein Demonstrationsprogramm aufgesetzt.Ziel ist die Validierung einer „air-breathing“ electric propulsion technology, das Umgebungs-Luftmoleküle als praktisch unbegrenzten Treibstoff nutzt, um den Höhenverlust durch Luftwiderstand auszugleichen. Damit soll die Funktion dieses Antriebs im realen Orbit nachgewiesen und die Grundlage für künftige, langlebige VLEO-Satelliten geschaffen werden.
DeepSat „Orion’s Belt“
Der sicherheitspolitische Nutzen des VLEO wird besonders deutlich beim Blick auf einen Partner von Redwire. Das in Los Angeles ansässige Unternehmen DeepSat gewann im August 2025 eine Ausschreibung der U.S. Air Force und erhielt einen Direct-to-Phase-II-Vertrag zur Technologiedemonstration.
Phase-II-Programme sind in der Regel auf 18 bis 24 Monate ausgelegt und dienen der Entwicklung sowie der realitätsnahen Erprobung operativer Systeme. Nach erfolgreichem Abschluss folgt üblicherweise eine Beschaffung (Phase III). In diesem Fall dürfte der konkrete militärische Use-Case bis zum Ende des Jahrzehnts umgesetzt werden.
Ziel ist die VLEO-Konstellation „Orion’s Belt“ in einer Höhe von rund 250 Kilometern, die eine etwa doppelt so hohe Auflösung wie herkömmliche LEO-Erdbeobachtungssysteme erreichen soll.
Auch Europa blickt Richtung VLEO
In Zusammenarbeit mit der European Space Agency strebt Redwire seit 2022 eine VLEO Technologiedemonstration „Skimsat“ an. Im Jahr 2025 wurden die Pläne und die entsprechenden Beteiligungen innerhalb des Konsortiums konkretisiert: Thales hält einen Anteil von 67 %, Leonardo 33 %, wobei das elektrische Antriebssystem durch Thales bereitgestellt werden soll. Als Prime Contractor ist Redwire für die Lieferung und Integration der Satellitenplattform (Phantom-Plattform) verantwortlich.
Redwire verfügt in Belgien (Kruibeke) bereits seit längerer Zeit über einen Produktionsstandort, der vor dem Hintergrund der gestiegenen Ambitionen im Bereich eigener Plattformen künftig stärker in den Fokus rücken dürfte.
Foto: Illustration eines Redwire's "air-breathing" Satellitenkonzepts - Credit: Redwire